Die vier größten Irrtümer beim Thema Private Krankenversicherung

Wie bei vielen Themen rund um Finanzen und Versicherungen gibt es auch rund um die Private Krankenversicherung (PKV) viele Irrtümer, Vorurteile und vor allem eine Menge gefährliches Halbwissen. Im Grunde genommen sollte man an das Thema Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder PKV aber, genau wie an alles andere im Leben, versuchen so objektiv wie möglich heranzutreten.

Vieles was wir zu wissen glauben oder mal in einer Informationssendung auf ARD, ZDF oder RTL gesehen haben, entspricht heute nicht mehr dem Stand der Dinge. Nur wenige andere Themen haben in den vergangenen 20 Jahren einen derartig großen Wandel durchlaufen und sich so dramatisch verändert. Waren früher Tarifbeiträge ohne Altersrückstellungen für die Zeit nach der Rente gestaltet, weshalb dann häufig auf ältere Versicherte enorme Beitragshöhen zukamen, so haben heute Private Krankenversicherer für ca. 9 Millionen Versicherte ungefähr 270 Milliarden Euro Rückstellungen gebildet (siehe dazu auch: http://www.zukunftsuhr.de). In der GKV sind aktuell Reserven für die Zukunft von gerade einmal 4-6 Wochen des benötigten Kapitals vorgehalten.

 

Irrtum # 1: Private Krankenversicherungen sind zu teuer!

 

Diese Aussage ist faktisch falsch und sehr einfach widerlegbar. Nehmen wir einen 30-jährigen kaufmännischen Angestellten ohne Kinder, der 2020 über der Einkommensgrenze verdient, die jemanden dazu berechtigt in die PKV zu wechseln – über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG). Dieser bisher regulär in der GKV versicherte Arbeitnehmer wird im kommenden Jahr inklusive Pflegeversicherung ca. 880 EUR pro Monat für seine Krankenversicherung bezahlen! Die Hälfte hiervon übernimmt der Arbeitgeber, wobei er dies auch bei der PKV bis zu dieser Höchstgrenze leisten muss. Schaut man sich jetzt den privaten Krankenversicherungsmarkt an, kann man ein klares Bild zeichnen. Im Schnitt wird ein Versicherter mit etwa 600 EUR Gesamtbeitrag für ein sehr gutes Absicherungsniveau versorgt werden. Die Gesamtersparnis von 280 EUR im Monat bedeutet am Ende ein Plus von 140 EUR im eigenen Geldbeutel, die andere Hälfte spart sich der Arbeitgeber – jeden Monat!

Will man hier aber nicht den Fehler machen und Äpfel mit Birnen vergleichen, müsste man auf die Höchstsätze der GKV auch noch den Beitrag für notwendige Zusatzversicherungen rechnen, um auch auf der Leistungsseite auf dasselbe Niveau zu kommen. Das kann am Ende gut und gerne 100 – 120 EUR pro Monat ausmachen.

 

Irrtum # 2: Private Krankenversicherungen werden im Alter viel teurer als die „Gesetzliche“!

 

Die meisten Privatversicherten liegen über der für die Krankenversicherungsbeiträge ausschlaggebenden Beitragsbemessungsgrenze von 56.250,00 EUR (Jahr 2020) und zahlen damit jedes Jahr automatisch den Höchstbeitrag für die Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Grenze steigt aber in der Regel jedes Jahr. Im Zeitraum 2008 bis 2018 sind es so zum Beispiel 3,28 % Steigerung pro Jahr gewesen. Im selben Zeitraum sind die durchschnittlichen Beiträge der Privatversicherten nur um 3,05% pro Jahr gestiegen. Setzt man diesen Fakt ins Verhältnis zu den ohnehin niedrigeren Beiträgen in der PKV, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass ich als Versicherter am Ende draufzahle.

Viel wichtiger als die aktuellen Zahlen ist aber der Vergleich der Finanzierungssysteme beider Versicherungsarten, denn hier liegt das wahre Problem! Zahlt jeder Versicherte in der PKV nur für sich selbst und leistet auch fürs Alter Vorauszahlungen, ist es in der GKV ähnlich gelagert wie in der Gesetzlichen Rentenversicherung. Die Gesellschaft altert und gerade ältere Menschen, die häufiger auf medizinische Versorgung angewiesen sind, bezahlen von ihren immer kleineren Renten immer weniger Beitrag. Dass sich das System so nicht tragen kann, leuchtet jedem ein. Die Folge werden weitere Leistungskürzungen und Beitragssteigerungen sein, die heute in der Höhe zwar noch nicht absehbar sind, die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens aber bei 100 % liegt.

 

 

Irrtum # 3: Aus der Privaten Krankenversicherungen kommt man nicht mehr raus!

 

Tatsächlich ist die Frage zunächst, weshalb man nach den ersten beiden Punkten aus der PKV zurück in eine Gesetzliche Krankenversicherung wechseln will. Das ist natürlich etwas provokant gemeint, da es sicherlich im Einzelfall gute Gründe hierfür geben kann. Der einfachste Weg zurück in die GKV geht über das Einkommen, sollte dieses im kommenden Jahr unter die bereits beschriebene JAEG fallen. Fällt mein Einkommen also unter 62.500 EUR, würde ich wieder der Versicherungspflicht unterliegen. In Kurzform heißt das wieder GKV-versichert zu sein. Ich kann zwar freiwillig in der PKV bleiben, habe nun jedoch wieder die Wahl. Die Wege hin zu einem Einkommen unter dieser Grenze sind vielfältig und müssen, falls man nicht knapp an der Grenze lag und diese schneller steigt als das eigene Einkommen, mit z.B. der Personalabteilung besprochen werden. Spontan fallen einem hier wenige Monate in Teilzeit, Elternzeit oder ein Sabbatical ein. Es ist also durchaus möglich und manchmal sogar schneller der Fall als gewünscht, dass man zurück in die GKV muss oder kann.

 

Irrtum # 4: Mit einer Familie lohnt sich die Private Krankenversicherung nicht!

 

Die wichtigste Frage bei diesem Thema ist immer, wie ich meine Kinder versichert wissen will. Wer objektiv an das Thema geht, wird feststellen, dass die Leistungen, gerade bei ernsten Erkrankungen, in der Privaten Krankenversicherung sehr deutlich über dem Niveau der Gesetzlichen Krankenversicherung liegen. Wenn ich mir dessen bewusst bin und mich in einem Einkommensniveau jenseits der 62.500 EUR pro Jahr befinde, stellt ein eigener Beitrag für ein Kind in der Regel finanziell gesehen kein Problem dar – dieser Eigenbeitrag liegt je nach Gesellschaft und Tarif bei 120 – 150 EUR pro Monat und Kind. Wenn man sich die Rechnung aus Irrtum # 1 nochmal zu Gemüte führt, wird aber auch schnell ersichtlich, dass die 280 EUR Ersparnis pro Monat ungefähr den Beitrag für zwei Kinder abdeckt und hierfür der Arbeitgeber ebenso die Hälfte trägt. Eine Mehrbelastung hat man also selbst bei zwei Kindern nicht!

Niedrigere Beiträge, bessere Leistungen und geringere Beitragssteigerungen bei gleichzeitig höheren Altersrückstellungen in der PKV sind objektive Fakten und keine Meinungen. Lassen Sie sich also nicht von persönlichen Meinungen und Stammtisch-Thesen beeinflussen und machen Sie sich selbst ein Bild der Zahlen. Sollten Sie weitere Informationen benötigen kommen Sie gerne auf uns zu – wir unterstützen Sie auch bei diesem Thema individuell und unabhängig!

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